🥇Gold vs Inflation: Was historische Daten wirklich über „Wertschutz" sagen
Gold vs Inflation: Was historische Daten wirklich über „Wertschutz" sagen
Stellen Sie sich einen Investor vor, der im Januar 1980 Gold zum damaligen Rekordhoch von etwa 850 Dollar pro Unze kaufte. Er war überzeugt, dass er damit seine Ersparnisse gegen die wilde Inflation schützen würde, die damals in den USA im zweistelligen Bereich lag. Und dann wartete er. Und wartete. Es dauerte fast 28 Jahre, bis der Goldpreis in nominalen Dollar wieder über sein Kaufniveau stieg — erst 2008. In realem, inflationsbereinigtem Wert ist sein Investment bis heute nicht auf das ursprüngliche Niveau zurückgekehrt.
Das ist das unangenehme Detail, das man in Prospekten zum Thema „Gold schützt vor Inflation" nie findet. Gold schützt den Wert wirklich — aber die Frage lautet: auf welchem Zeithorizont und von welchem Einstiegspunkt aus?
Woher kommt dieser Mythos?
Die These klingt elegant: Zentralbanken drucken Geld quasi umsonst, es gibt nur eine begrenzte Menge Gold auf der Welt (die Gesamtförderung wächst orientierungsmäßig nur um etwa ~1,5–2 % pro Jahr), also wenn die Geldmenge wächst, wächst auch der Goldpreis. Die Logik stimmt — aber nur in groben Zügen und vor allem über Jahrzehnte, nicht über Jahre.
Das klassische Argument reicht bis ins Altertum zurück: Angeblich konnte man sich damals für eine Unze Gold eine hochwertige Toga im alten Rom kaufen und heute kauft man sich dafür einen hochwertigen Anzug. Das ist eine schöne Geschichte, aber für einen Investor mit einem Zeithorizont von 5–15 Jahren völlig unbrauchbar. Dieser kauft nämlich nicht „über zwei Jahrtausende hinweg", sondern in einem bestimmten Jahr zu einem bestimmten Preis.
Was sagen die Daten?
Schauen wir uns die Zahlen an, denn jetzt wird es interessant (grobe Orientierungswerte):
- 1971–1980: Nach der Entkopplung des Dollar von Gold schoss der Preis von ~35 auf ~850 Dollar. In einem Jahrzehnt hoher Inflation besiegte Gold die Inflation überwältigend — hierher stammt der ganze Mythos.
- 1980–2000: Zwei Jahrzehnte, in denen die Inflation in den USA anhielt (kumulativ verdoppelten sich die Preise ungefähr), aber Gold fiel — von ~850 auf ~250 Dollar. Der Goldhalter verlor real einen enormen Teil der Kaufkraft, während die Inflation nirgendwo verschwand. Schutz vor Inflation? In diesem Zeitfenster eine Katastrophe.
- 2001–2011: Gold steigt von ~250 auf ~1900 Dollar. Dieses Mal nicht primär wegen Inflation (die war mild), sondern wegen eines schwachen Dollar, Geopolitik und Finanzkrise.
- 2013–2015: Obwohl die Inflation nicht verschwand, fiel Gold von ~1900 auf ~1050 Dollar. Wiederum keine schöne Korrelation mit dem Preisindex.
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